Einrichtungen der kulturellen Bildung öffnen sich für partizipative Prozesse und wollen auch Kinder und Jugendliche in ihre Angebote und Programme einbeziehen. Dies ermöglicht jungen Menschen sich über Kulturelle Bildung als gleichberechtigter Teil der Gesellschaft selbstwirksam einzubringen und es ermöglicht der Kulturellen Bildung das Prinzip kultureller Teilhabe umzusetzen. Doch fehlt es oftmals an Zugängen zu Kindern und Jugendlichen über kurzfristige Projekte hinaus oder es werden Zielgruppen in den partizipativen Angeboten erreicht, die zum Stammpublikum zählen und selbstverständlich an solchen Angeboten teilnehmen. Deshalb können Orte und Akteur:innen der Kinder- und Jugendarbeit wichtige Partner:innen in der Umsetzung von Kinder- und Jugendbeteiligung in der Kulturellen Bildung sein. Hier haben sich beispielsweise Formate der Beteiligung wie Kinder- und Jugendforen, Kinder- und Jugendparlamente oder die Mitwirkung als Jugendleiter:innen in den kulturellen Angeboten etabliert. Kulturelle Bildung findet in der Kinder- und Jugendhilfe als kulturelle Kinder- und Jugendarbeit an diversen Orten und vielfältigen Formen statt wie in Jugendzentren (offene Türen etc.), in Jugendkulturzentren, in Jugendkunstschulen oder in der mobilen Jugendarbeit (vgl. Sturzenhecker 2012: 743, Sinoplu 2021: 521f.). Diese Orte verstehen sich als wichtige kulturelle Freiräume, in denen sie selbstorganisiert ästhetisch-gestalterisches Handeln und in Gleichaltrigengruppen mit starkem lebensweltlichem Bezug künstlerisch Lernen (vgl. Josties 2016: 12).
Ein zentrales Qualitätskriterium für Kinder- und Jugendbeteiligung sind dabei die Zeithorizonte der Kinder und Jugendlichen. Beteiligung braucht Zeit, doch zu oft machen Kinder und Jugendliche die Erfahrung, dass die Umsetzung ihrer Anliegen zu viel Zeit benötigt. Gleichzeitig liegt immer ein gewisser Zeitdruck vor, so dass der Prozess zugunsten einer Orientierung an Ergebnissen in den Hintergrund gerät. Die Qualität von Kinder- und Jugendbeteiligung hängt zudem von der Qualifikation der beteiligten Fachkräfte, Ehrenamtlichen und Mitarbeitenden ab. Beteiligung erfordert reflexive, selbstkritische Fachkräfte, die sich dauerhaft mit den Themen »Macht« und »Adultismus« auseinandersetzen. Sie versuchen in vielfältigen Situationen ihre Macht an Kindern und Jugendlichen abzugeben oder im Sinne der Kinder- und Jugendbeteiligung zu nutzen.
Folglich ist eine reflexive Auseinandersetzung mit sozialer Ungerechtigkeit, Rassismus und Diskriminierung ebenso unerlässlich. Wenn Kulturelle Bildung durch Kinder- und Jugendbeteiligung Teilhabe anstrebt, gilt es, Diskriminierungen aufzudecken und eine kritische, machtsensible, diversitätsbewusste Haltung sowie eine intersektionale Perspektive zu verfolgen (vgl. Josties 2016: 15f.; Mecheril 2015: 2013). Wissen über kind- und jugendgerechten Methoden und Formaten ist durchaus notwendig, doch eine machtkritische Haltung ist die Grundlage der Kinder- und Jugendbeteiligung. Schlussendlich bleibt Beteiligung ein ständiger Reflexions- und Revisionprozess- besonders für die beteiligten Erwachsene.
Joana Sinoplu
Arbeitsstelle Kulurelle Bildung NRW und Akademie der Kulturellen Bildung des Bundes und des Landes NRW
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