Katharina Brederlow:
These: »Kulturelle Bildung erreicht bestimmte Zielgruppen nicht«
Der Bildungsbeirat Halle hat Handlungsbedarfe im Bereich Armut aufgezeigt: In Stadtteilen wie der südlichen Neustadt bleiben Angebote Kultureller Bildung oft ungenutzt, während Mittagessen oder Nachhilfe angenommen werden, dies zeigt sich in der Auswertung der Anträge für Bildung und Teilhabe der Stadt Halle (Saale). Gründe könnten fehlende Bekanntheit der Angebote bei Familien und/oder Fachkräften oder mangelnde Zugänglichkeit für finanziell benachteiligte Familien sein.
Nadia Boltes:
These: »Kulturelle Bildung ist die kreative Werkzeugkiste der sozialen Arbeit. Ohne sie fehlen entscheidende Methoden um junge Menschen wirklich in ihrer Lebenswelt zu erreichen«
In Halle-Neustadt zeigen beispielsweise kostenfreie Angebote wie Passage 13, tumult oder die Freiraumgalerie, wie kulturelle Bildungsangebote gezielt Hürden abbauen können, indem sie junge Menschen direkt in ihrem Lebensumfeld erreichen. Gerade in ländlichen Regionen und weniger angebundenen Orten können koordinierende Strukturen dazu beitragen, vorhandene Angebote sichtbarer zu machen und Zugänge besser miteinander zu verbinden. Hier kommt die Rolle eines Dachverbandes wie der .lkj) – Landesvereinigung kulturelle Kinder- und Jugendbildung Sachsen-Anhalt e. V. ins Spiel: Sie bündelt Informationen, vernetzt Akteur:innen und trägt dazu bei, dass Angebote kultureller Bildung besser zugänglich und wahrnehmbar werden. Durch Programme, politische Interessenvertretung und die Qualifizierung von Fachkräften stärkt die .lkj) Sachsen-Anhalt die strukturellen Voraussetzungen für jugendgerechte kulturelle Bildung. Ziel ist es, Angebote näher an die Lebenswelten von Kindern und Jugendlichen zu bringen – sowohl in Kooperation mit Schule im Ganztag als auch insbesondere in außerschulischen und informellen Räumen kultureller Praxis.
Als Dachverband übernimmt die .lkj) Sachsen-Anhalt dabei eine koordinierende und strukturentwickelnde Rolle im Feld der kulturellen Bildung. Sie vernetzt Träger und Initiativen, bündelt fachliche Perspektiven aus Praxis und Fachdebatte, vertritt die Interessen des Arbeitsfeldes gegenüber Politik und Verwaltung und stärkt durch Programme, Qualifizierungsangebote und Fachdialoge die Rahmenbedingungen kultureller Kinder- und Jugendbildung im Land.
Prof. Dr. Vanessa-Isabelle Reinwand-Weiss:
These: Es braucht direktere Förderungen von Kultureinrichtungen und informalen Einrichtungen in den Kommunen, die dann kostenfreie Angebote für alle Menschen ermöglichen.
Das Bildungs- und Teilhabepaket wird aus ihrer Sicht als gescheitert betrachtet, da Fördermittel zu bürokratisch verteilt werden. Gleichzeitig bietet der Ganztag als Rechtsanspruch die Chance, Schule neu zu denken, besser zu vernetzen und Sozial- sowie Kulturarbeit gezielt einzubinden. Entscheidend sind dabei Freiräume, angemessene Finanzierung und Gesamtkonzepte, die nicht starr an Fächergrenzen gebunden sind.